Skandinavischer Landhausstil – Möbel, Farben und die gustavianische Wurzel

Skandinavischer Landhausstil ist einer der meistgesuchten Einrichtungsbegriffe in Deutschland, und einer der am häufigsten missverstandenen. Gemeint ist meist ein helles, ruhiges Wohnen mit gemalten Möbeln, Leinen und viel Licht. Was dabei selten jemand weiß: Die Möbel, die diesen Stil tragen, sind fast immer gustavianisch, eine schwedische Formensprache aus dem 18. Jahrhundert, die bis heute in Serie gebaut wird. In diesem Beitrag zeigen wir, was skandinavischen Landhausstil ausmacht, welche Möbel dazugehören, wie Sie Originale erkennen und warum ein schwarz lackiertes gustavianisches Stück moderner wirkt als jedes neue Landhausmöbel. Die Einordnung in die übrigen Stile finden Sie im Ratgeber Skandinavische Vintage-Möbel.

Was skandinavischen Landhausstil ausmacht

  • Gemalte Möbel in Perlgrau, gebrochenem Weiß, Hellblau oder Graugrün, oft mit sichtbarer Patina.
  • Gerade, kannelierte Beine, die sich nach unten verjüngen, Symmetrie in den Fronten, kleine geschnitzte Rosetten oder Perlstäbe.
  • Helle Hölzer unter der Farbe: Kiefer und Birke, bei feineren Stücken Mahagoni unbemalt.
  • Textilien aus Leinen und Baumwolle, karierte und gestreifte Bezüge, wenig Muster.
  • Licht als Gestaltungsmittel: helle Wände, Spiegel, Kristall, kaum Vorhänge.

Der Stil entstand unter Gustav III. ab 1771 als schwedische Übersetzung des französischen Louis-seize, reduziert und aufgehellt. Deshalb heißen die Möbel gustavianisch. Der Begriff Landhausstil ist eine deutsche Handelsbezeichnung, die das ländliche Herrenhaus des 18. Jahrhunderts meint.

Die Möbel: Kommode, Vitrine, Schrank, Stuhl

Die Kommode im Landhausstil ist das meistgesuchte Stück: drei Schubladen, gerade Front, kannelierte Ecken, ovale Beschläge. Bei uns finden Sie sie in der Kategorie Kommoden und Nachttische, und im Beitrag Gustavianische Kommoden beschreiben wir, wie wir mit ihnen arbeiten. Die Vitrine im Landhausstil mit Sprossentüren und Innenspiegel, wie die grüne gustavianische Vitrine mit Josef-Frank-Motiv, alle weiteren unter Vitrinen. Sideboards und Schränke, etwa das gustavianische Sideboard mit Messingbeschlägen. Stühle und Bänke mit runder oder eckiger Lehne und gepolsterter Sitzfläche, wie die graue gustavianische Sitzbank, weitere unter Armlehnstühle und Stühle.

Original aus dem 18. Jahrhundert oder Stilmöbel?

Neun von zehn gustavianischen Möbeln auf dem Markt wurden zwischen 1880 und 1960 gebaut, als schwedische Fabriken den Stil in Serie fertigten. Das ist kein Nachteil: Die Stilmöbel des 20. Jahrhunderts sind oft stabiler als die Originale. Sie erkennen sie an maschinell gesägten Flächen, gleichmäßiger Fabriklackierung und häufig einem Stempel unter der Sitzfläche oder hinter einer Schublade. Echtes 18. Jahrhundert zeigt handgehobelte Flächen, Holzdübel statt Schrauben, viele Farbschichten mit Krakelee und Gebrauchsspuren, die zur Funktion passen. Wir arbeiten fast ausschließlich mit Stilmöbeln, und genau deshalb dürfen wir sie neu lackieren.

Landhausstil modern: die schwarze Variante

Perlgrau auf Weiß mit Leinen ist die klassische Umsetzung, und sie funktioniert. Aber sie ist auch die erwartbare. Unser Ansatz ist, die gustavianische Form zu behalten und den Ausdruck zu tauschen: mattes Schwarz mit Messingbeschlägen, ein tiefes Grün, ein handgemaltes grafisches Muster oder Blattgold auf den Kanneluren. Die Rosetten und Perlstäbe bekommen in einer einzigen dunklen Farbe Schatten und Schärfe, die im Grau untergehen. So wird aus einem Landhausmöbel ein Designobjekt, das neben einem modernen Sofa steht, ohne ein Wort zu verlieren. Wie eine solche Solitärmöbel im Raum wirkt, beschreibt der Beitrag Einrichten mit Statement-Möbeln.

Landhausstil, Shabby Chic und Swedish Grace

Shabby Chic ist der Landhausstil mit absichtlich abgeriebener Farbe, meist auf neuen oder nachgemachten Möbeln. Wir mögen echte Patina auf alten Stücken, aber keine künstliche auf neuen. Swedish Grace der 1920er ist der Enkel des gustavianischen Stils: dieselbe Klassik, aber in Furnier statt in Farbe, städtisch statt ländlich. Wer den Landhausstil versteht, versteht auch, warum Swedish Grace so aussieht, wie es aussieht.

Häufige Fragen

Welche Farbe ist „Gustaviansch Grau“?

Historisch ein Perlgrau aus Bleiweiß und Ruß mit leichtem Blau- oder Grünstich. Heute entsprechen Töne um NCS S 2502-Y oder S 3005-G20Y dem Original am ehesten.

Was kostet eine Kommode im skandinavischen Landhausstil?

Neue Reproduktionen aus MDF: 300 bis 900 Euro. Unrestaurierte schwedische Stilmöbel: 200 bis 800 Euro, plus Arbeit. Restauriert und umgestaltet bei uns: in der Regel 900 bis 2.400 Euro, inklusive Lieferung innerhalb Deutschlands.

Darf man gustavianische Möbel neu lackieren?

Stilmöbel des 20. Jahrhunderts: ja, sie sind dafür gebaut. Echte Stücke des 18. Jahrhunderts mit Originalfassung: nein, die Patina ist Teil des Werts. Wir prüfen jedes Stück, bevor wir etwas tun.