Art-déco-Möbel – Kennzeichen, skandinavische Variante und Einrichten ohne Kulisse

Art-déco-Möbel sind die Bühne unter den Vintage-Möbeln: geschwungene Fronten, Hochglanz, Messing, Spiegelglas und eine selbstverständliche Opulenz. Kaum eine Epoche wird so oft gesucht und so oft verwechselt. In diesem Beitrag erklären wir, was Art déco ausmacht, wie sich die skandinavische Variante von der französischen unterscheidet, welche Möbeltypen typisch sind und wie Sie mit einem einzigen Art-déco-Stück einen Raum prägen, ohne dass er zur Kulisse wird. Die Einordnung in die übrigen Stile finden Sie im Ratgeber Skandinavische Vintage-Möbel.

Was ist Art déco?

Der Name stammt von der Pariser Ausstellung von 1925, der Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes. Art déco ist die dekorative Moderne zwischen den Weltkriegen: inspiriert vom Kubismus, von Ägypten nach der Entdeckung des Tutanchamun-Grabs 1922, von Jazz, Ozeandampfern und Wolkenkratzern. Die Möbel sind geometrisch, glänzend und aus kostbaren Materialien. In Skandinavien entstand parallel eine ruhigere Variante, die später Swedish Grace genannt wurde. Den direkten Vergleich der beiden Stile finden Sie im Beitrag Swedish Grace vs. Art déco.

Kennzeichen von Art-déco-Möbeln

  • Geometrie: Treppenstufen, Fächer, Zickzack, Kreise, gerade Bänder. Die Formen sind scharf und wiederholen sich.
  • Glanz: Hochglanzlack, poliertes Furnier, Spiegelglas, Chrom und vernickeltes Metall.
  • Exotische Materialien: Makassar-Ebenholz, Palisander, Nussbaumwurzel, Schildpatt, Pergament, Leder.
  • Geschwungene Fronten bei Kommoden und Sideboards, oft auf einem massiven Sockel statt auf Beinen.
  • Kontrast: Schwarz gegen Gold, dunkles Holz gegen helle Intarsie, matt gegen glänzend.

Skandinavisches Art déco: sachlicher, heller, seltener

Französische Art-déco-Möbel von Ruhlmann oder Leleu sind Kunstwerke mit entsprechenden Preisen. Deutsche Art-déco-Möbel sind schwerer und dunkler, oft in Nussbaum. Schwedische Stücke der 1920er- und 1930er-Jahre nehmen die geschwungenen Fronten und den Glanz auf, bleiben aber in Maß und Material zurückhaltend: Birke und Mahagoni statt Makassar, feine Intarsien statt Chrom. Sie sind auf dem deutschen Markt kaum vertreten, weil Schweden damals wenig exportierte, und gerade deshalb interessant. Zwei Beispiele aus unserer Werkstatt: das schwarz gemusterte Art-déco-Sideboard um 1930 und das grafische Sideboard in Schwarz-Weiß um 1930.

Die Möbeltypen: Barschrank, Sideboard, Kommode

Der Barschrank ist das Art-déco-Möbel schlechthin, denn Cocktailkultur und Stil entstanden gleichzeitig. Alles dazu im Beitrag Art-déco-Barschrank und im großen Barschrank-Ratgeber. Das Sideboard mit geschwungener Front und Sockel beschreiben wir im Beitrag Art-déco-Sideboard, alle Stücke unter Sideboards. Die Kommode mit abgerundeten Ecken und grifflosen Schubladen unter Kommoden und Nachttische. Dazu Clubsessel in Leder, runde Beistelltische mit Spiegelplatte und hohe Vitrinen mit facettiertem Glas.

Einrichten mit Art déco, ohne dass es Kulisse wird

Art déco verträgt keine Überdosis. Ein Raum voller Art-déco-Möbel wird zum Hotelfoyer. Was funktioniert, sind ein oder zwei starke Stücke in einer sonst ruhigen Einrichtung: ein schwarzer Barschrank mit Blattgold vor einer warmen Wand, ein geschwungenes Sideboard unter einem großen Bild, ein Clubsessel am Fenster. Halten Sie Boden und Textilien schlicht, wiederholen Sie ein Metall durch den Raum, und mischen Sie Art déco nicht mit Rokoko im selben Zimmer, die beiden dekorativen Stile konkurrieren. Wie ein Möbel den Raum trägt, beschreibt der Beitrag Einrichten mit Statement-Möbeln.

So restaurieren und gestalten wir Art-déco-Möbel um

Art-déco-Möbel aus den 1920er- und 1930er-Jahren haben fast immer eine gute Konstruktion und eine müde Oberfläche: gerissene Politur, ausgeblichenes Furnier, oxidierte Beschläge. Wir schleifen ab, ergänzen Furnier, arbeiten Beschläge auf oder ersetzen sie und geben dem Möbel eine neue Oberfläche, die seinen Charakter verstärkt, meist Schwarz mit Blattgold, Messing oder einem handgemalten Muster. Die Form ist bereits dramatisch, die Oberfläche darf einfach sein. Den Ablauf beschreibt der Beitrag Der Prozess hinter einem umgestalteten Möbelstück.

Häufige Fragen

Welche Farben gehören zu Art déco?

Schwarz, Gold, Chrom und Silber als Basis, Akzente in Tiefgrün, Bordeaux, Senfgelb und Elfenbein. Pastelltöne kamen vor allem in Textilien vor.

Sind Art-déco-Möbel teuer?

Signierte französische Stücke erzielen sechsstellige Beträge. Anonyme schwedische und deutsche Serienmöbel derselben Zeit sind erschwinglich: restauriert und umgestaltet kosten sie bei uns in der Regel 1.200 bis 3.850 Euro inklusive Lieferung innerhalb Deutschlands.

Passt Art déco in eine moderne Wohnung?

Ja, als Kontrast. Ein Art-déco-Möbel vor weißen Wänden und Eichenboden wird zum Schmuckstück. Zwei oder drei im selben Raum werden zur Kulisse.